A140 Herbst 2025 : Internationale Kunst
91 Internationale Kunst 457 HOFMANN, HANS (WEISSENBERG 1880 – 1966 NEW YORK) OHNE TITEL. Gouache und Tusche auf Papier, mgr. u.r., 35 x 27,5 cm (BG) CHF 9000.– / EUR 10000.– Provenienz: Galerie Michael Haas, Berlin, Nr. EM-HOF 17 (verso Etikett); Privatbesitz, Schweiz. Der deutsch-amerikanische Maler und Kunstpädagoge Hans Hofmann hielt sich nach seiner Ausbildung in München während über einem Jahr- zehnt in Paris auf, wo er die künstlerischen Entwicklungen des Kubismus und Fauvismus direkt miterlebte und enge Kontakte zu Robert Delaunay, Georges Braque und Henri Matisse knüpfte. Zurück in Deutschland, gründete er in München und später auch in anderen Städten eigene Kunst- schulen, in denen er die Prinzipien von Farbe, Komposition und räumlicher Dynamik zu vermitteln suchte. Mit dem Ausbruch des Nationalsozialis- mus verliess er Europa und emigrierte 1932 in die Vereinigten Staaten. Dort eröffnete er zunächst eine Schule in New York, später eine weitere in Provincetown. Beide entwickelten sich rasch zu Zentren des künstlerischen Austausches und zur Schmiede einer ganzen Generation von jungen amerikanischen Künstlern, darunter Lee Krasner, Helen Frankenthaler, Allan Kaprow und Wolf Kahn. 1958 schloss Hofmann seine Schulen, um sich vollständig der Malerei zu widmen. Seine Werke zeichnen sich durch leuchtende Farbflächen, dynamische Kompositionen und ein ausge- prägtes Interesse an der räumlichen Wirkung von Farbe aus. Sein theoretisches Konzept des «Push and pull» – des Spannungsverhältnisses von Farbe, Form und Raum – bildete die Grundlage sowohl für seine Kunstproduktion als auch für seine Lehre. Durch die Verbindung von künstleri- scher Praxis, theoretischer Reflexion und didaktischer Schärfe schuf der Deutschamerikaner eine Brücke zwischen den europäischen Avantgarden und dem Abstrakten Expressionismus in den Vereinigten Staaten. Sein Einfluss trug wesentlich zur Etablierung der amerikanischen Moderne bei.
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