A140 Herbst 2025 : Schweizer Kunst
79 Schweizer Kunst 128 SCHERER, HERMANN (RÜMMINGEN 1893 – 1927 BASEL) «MÄDCHEN MIT ROTER JACKE». Aquarell und Bleistift, Nachlass-Stpl. Nr. 2 u.l., verso a. Etikett dat. 1924-26 u. betitelt, 63 x 49,5 cm (BG) CHF 8500.– / EUR 9400.– Verso Aktstudie (Aquarell). Provenienz: Galerie Iris Wazzau, Davos (verso Etikett); Privatbesitz, Schweiz. Nach Abschluss einer Steinmetzlehre in Lörrach ging Hermann Scherer 1910/11 nach Basel, wo er Arbeit beim Bildhauer Carl Gutknecht fand. 1912/13 folgten Wanderjahre nach Köln und Koblenz. Während dem Ersten Weltkrieg lebte er wieder in Basel und war im Atelier des Bildhauers und Malers Otto Roos tätig. Im Zuge des 1917 entflammten Streites um Ferdinand Hodlers «Blick in die Unendlichkeit» setzte er sich zusammen mit anderen Jungkünstlern vehement für den Ankauf des Werkes durch das Kunstmuseum ein. 1918-1921 wirkte er als Assistent von Carl Burck- hardt, dem damals bedeutendsten Schweizer Bildhauer. Ein einschneidendes Erlebnis war Scherers Besuch der von polemischen Kontroversen begleiteten Munch-Retrospektive 1922 im Zürcher Kunsthaus, in deren Nachklang er sich fortan auch als Maler versuchte und im Frühling 1923 erste Landschaftskompositionen anfertigte. Im Juni gleichen Jahres lernte er anlässlich einer Gruppenausstellung in der Basler Kunsthalle Ernst Ludwig Kirchner kennen, in dessen «Haus in den Lärchen» bei Davos er sich kurz darauf für drei Wochen und im Frühjahr 1924 erneut aufhielt. Gemeinsam mit dem grossen Expressionisten malte er Bergmotive und schuf Holzskulpturen. In der Silvesternacht 1924 gründete er zusammen mit Albert Müller und Paul Camenisch die Künstlervereinigung «Rot-Blau», der sich wenige Tage später auch Werner Neuhaus anschloss. Nach der Beteiligung an Ausstellungen in Basel und Zürich präsentierte sich Scherer im Juni 1926 auf der Internationalen Kunstausstellung in Dresden und war damit erstmals auf dem für sein künstlerisches Wirken zukunftsträchtigen deutschen Markt vertreten. Eine ernsthafte Erkrankung im Herbst 1926, an deren Folgen Hermann Scherer wenige Monate später verstarb, setzte der vielversprechenden Künstlerkarriere ein jähes Ende.
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